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Leipziger Südraum: Altenburg – Leipzig Drucken
Geschrieben von Mike Nöbel   
Tourbericht vom 09.07.05: Leipziger Südraum (Altenburg – Leipzig)

Nehmen Sie hin und wieder auch einen alten Atlas zur Hand und sind erstaunt darüber welchen Wandel die Landschaften in industriellen Ballungsgebieten unterworfen sind? Da dehnen sich Städte aus, Wälder verschwinden, Seen entstehen neu, Flüsse werden in künstliche Betten verlegt. Hinter all dem verbirgt sich menschliches Tun in gigantischen Ausmaßen und ganz nebenbei wird damit eine zweite (künstliche) Landschaft geschaffen. Um diese Landschaft im wahrsten Wortsinn erfahrbar zu machen, trafen wir uns am 09.07. in Altenburg mit dem Ziel, durch die Braunkohlenfolgegebiete nach Leipzig zu fahren. Zunächst lauerten aber hinter Altenburg ein paar ordentliche Steigungen und da fast alle Teilnehmer noch nicht richtig eingefahren waren, ging es da auch gleich ans „Eingemachte“.
Zur Entschädigung erwartete uns in Lehma die Örtliche Freiwilllige Feuerwehr mit ihrer alljährlichen Showvorführung. Da wir aber noch nicht in der Verfassung für den großen Löschangriff waren, begaben wir uns weiter Richtung Kammerforst. Über ein altes (aber zum Weg umfunktionierten) Gleisbett der Kohlebahn erreichten wir schließlich den Haselbacher See. Dieser See (3,5 Quadratkilometer groß, bis zu 30 m tief) entstand in Folge der Flutung des Tagebaus Haselbach (Aufschluß 1955, Förderende 1977). Von einen Aussichtspunkt direkt am 10,5 km langen Seerundweg konnten wir einen tollen Blick Richtung Norden genießen (und unser Picknick). Anschließend fuhren wir über Wintersdorf auf den Haldenkomplex Phoenix Ost. Die Halde (ca. 400 ha, 203 m. ü. N.N.) ist wegetechnisch gut erschlossen, so dass wir ohne Probleme in das 5 km entfernte Städtchen Lucka gelangten.

Hier brach dann bei einigen Teilnehmern der für sächsische Verhältnisse so urtypische Kaffeedurst aus. Also Bremse hart gezogen und dann am Luckaer Kirchplatz (merken!) in eine kleine aber feine Bäckerei mit anliegenden stilvollen Caferaum. Neben der Bedienung ist hier auch das Preis-Leistungs-Verhältniss sehr kundenfreundlich. Nach kurzer Verweildauer führte die Tour dann durch Berndorf zum geologischen Lehrpfad Hohendorf. Hier sind (zum Teil mit Bestimmungstafeln) 186 Findlinge ausgestellt, welche durch eine Bürgerinitative aus den Tagebauen Schleenhain und Groitzscher Dreieck geborgen wurden. An der Westflanke des Tagebaus Schleenhain gelangten wir dann auf bereits ausgekohlten Gelände zum künstlich angelegten Aussichtspunkt Neuer Gepersberg (171 m. ü. N.N.). Von den Aussichten hier erzähle ich an dieser Stelle lieber nichts, denn falls die Tour im nächsten Jahr wiederholt werden sollte,(auf Anfrage) besteht immerhin Gelegenheit das selbst in Erfahrung zu bringen. Nachdem sich alle sattgesehen hatten war nun der Großstolpener See nächste Station. Dieser ist mit nur 28 ha Wasserfläche zwar einer der kleineren Seen im Leipziger Südraum, als Badegewässer aber trotzdem sehr beliebt.

Da von uns niemand baden gehen wollte, fuhren wir auf bequemen Asphaltweg über rekultiviertes Kippengelände zum Tagebau Peres. Der Tagebau Peres ist derzeit stillgelegt, wird aber für die Norderweiterung des Tagebaus Schleenhain (2015-2035) bergbautechnisch vorgehalten. Am westlichen Tagebaurand entlang kamen wir nun nach Querung der B 2 bei Döhlen in die Aue der Weißen Elster. Im Zuge der Vorfeldfreimachung für den Tagebau Zwenkau war es erforderlich den Fluß bei Kleindalzig in eine relativ unansehnliche, ca.12 km lange Betonrinne zu verlegen. Wir aber folgten dem alten Verlauf der Weißen Elster und gelangten vorbei an den Imnitzer Lachen in das Zwenkauer Eichholz. Das Eichholz ist einer der letzten ursprünglichen Auenwaldreste im Leipziger Südraum und eigentlich zu jeder Jahreszeit eines Besuchs lohnenswert. Derzeit gibt es Überlegungen, die durch den Kohleabbau gekappten Wasserläufe in dem Gebiet zumindest teilweise zu reaktivieren.

Nach der Stadtdurchfahrt von Zwenkau gelangten wir an den Südrand des gleichnamigen Tagebaus. Wenn die Flutung des Tagebaus im Jahr 2011 abgeschlossen ist, wird lediglich am sogenannten Kap Laura ein Ausstelllungspavillion mit einigen Resten der 2001 gesprengten Abraumförderbrücke (AFB 18) daran erinnern, dass hier von 1924-1999 insgesamt 586 Mill. Tonnen Rohbraunkohle aus der Erde geholt wurden. Auf diversen Nebenwegen fuhren wir dann am östlichen Rand dieser gigantischen Grube (und künftigen Sees) durch das Waldgebiet Neue Harth nun schon fast in Sichtweite von Leipzig.

Zum Abschluß noch ein kleines Dankeschön an Katrin u. Ralf Zeidler welche uns noch spontan auf einen Kaffee (oder wer wollte, was anderes) bei sich daheim eingeladen hatten. So ausgeruht konnten die nachfolgenden (aber hier nicht mehr erwähnten) Aktivitäten des Abends entspannt angegangen werden.

Technische Daten:

  • Teilnehmer: 7 (3x weiblich, 4x männlich)
  • Tourlänge: ca. 53 km
  • Wetter: bewölkt, (aber kein Regen!) ca. 21 Grad, schwach Windig
  • Pannen: keine
 
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